Diese Woche...Letzte Woche/Paula und Sarah/Theater

DIE LIEBE IST DER TOD. DER TOD IST DIE LIEBE.

DIE LIEBE IST DER TOD. DER TOD IST DIE LIEBE.

Diese Nachricht hinterlassen die beiden jungen verliebten Teenager, Nina und Fritz, in Blockbuchstaben ihren Elternund nehmen sich – aneinander gebunden!  – das Leben. Auch wenn die Kinder nicht ein mal in dem Stück vorkommen, dreht sich alles augenscheinlich erstmal um sie. Die Geschichte zweier Paare, die nach Gründen für den Selbstmord ihrer Kinder suchen. „Irgendwas muss in seinem Leben gewesen sein. Irgendwas in seinem Leben war nicht in Ordnung.“

ersticken, brüllen, zetern, weiter machen, durch halten

 Dea Loher stelle die großen, existenziellen Fragen und lasse sie von Andreas Kriegenburg nicht nur inszenieren, sondern vervollständigen, weitererzählen hinzufügen. Zwölf gemeinsame Uraufführungen haben das Duo Loher/Kriegenburg miteinander bestritten.Diese Informationen erhalten Sarah und ich, in der Einführungsveranstaltung des DT zu „ Am schwarzen See“ . Es sei ein Theater des Mitleidens – Loher glaube aber ans weitermachen, nicht ans aufgeben.

zerbrechen, wahnsinnig werden, ausbrechen, umkippen

Auf der Suche nach den Gründen, was es gewesen sein könnte, dass die Kinder zu diesem Schritt bewegt hat, werden sämtliche eigene Fehler, Fehler des Partner, Fehler der Kinder, Fehler im Umgang, Fehler im Leben, Fehler im Sein gesucht. „ Vielleicht hätte Ihnen das mal einer sagen sollen, dass sie freie Menschen sind“

untergehen, stöhnen, verlieren, kämpfen, kreischen, resignieren

So kommen die vier Hauptdarsteller von ihren Kindern zu sich, zu ihren Neurosen und Ängsten: Vorwürfe gehen mit Eingeständnissen einher -Affären, auch untereinander, Herzfehler, heimliche Abtreibungen, Lebenseinstellungen, Unglück. „In Wirklichkeit beneiden wir sie um diesen Tod“

brüllen, rebellieren, jonglieren, verdrängen, festkralllen

Die „großen Fragen“ stellt Dea Loher und sie wirken. Ich kann die Tränen von der Frau vor mir tropfen sehen,als Else ( die Mutter von der toten Nina ) berichtet, wie das geschehen ist. Ich selbst werde beklemmt während sich Johnny (der Vater von dem toten Fritz ) die ganze Zeit kratzt. Das Leiden wird auf der Bühne ausgeschlachtet.

Vier Jahre ist der Tod der Kinder her und das Stück berichtet von dem ersten Wiedersehen, der ehemals befreundeten Paare. Und dieses Wiedersehen beinhaltet Schmerz. Wie er sich auch zeigen mag, andauernder Schmerz in den verschiedensten Formen. „ Man ist wer man ist, das ist fürchterlich. Den Wunsch mich zu verlieren habe ich irgendwann verloren.“

Es scheint als spielen die Schauspieler um ihr Leben, ich fühle Klöße im Hals. Meine Sitznachbarin schläft ein. Herrgott, ist das Leben so scheußlich? Ein einziges hoffnungsloses jagen nach Glück? Und hat Dea Loher Recht – Sollte man den Kindern mal sagen, dass sie es ändern können? Es gibt das weise Sprichwort „ Du bist deines Glückes eigener Schmied“ und tatsächlich ist das ein Motto, dass mir, so banal es ist, immer wieder nicht nur Erleichterung verschafft, sondern auch Antrieb gibt: Es liegt in meiner Hand. Und diese Antwort bekomme ich nach diesem Stück weniger. Arien aus Henryk Góreckis dritter Sinfonie untermalen, immer wieder Momente der Verzweiflung, der Sehnsucht, kratzen an den Nervendes Publikums, an meinen Nerven. Und vielleicht ist es die angebliche Hoffnungslosigkeit der Figuren, die mich wütend werden lässt, die mir Antrieb gibt. Es sind die großen Fragen, ja. Und diese Fragen werden viel besprochen, es ist leicht ihnen zu verfallen, aber ich habe eine gewisse Sehnsucht nicht immer in diesen Fragen zu schwelgen,sondern Antworten zu geben oder zu hören. Vorschläge zu debattieren, zu versuchen und auch mal aufzugeben. Es wird viel über das Unglück, das Leid, Depression und aufgeben gesprochen und das ist richtig und auch wichtig, aber ist es nicht genausowichtig auch über das aufstehen, das kämpfen, das schmieden zu sprechen? So Lohers Kollege Brecht „ Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein? Denn die Besiegten von heute, sind die Sieger von morgen“ – Nicht, dass ich ein Brecht Fan sei, aber wie viele Stücke gibt es über das große Glück? Oder auch über das kleine Glück?Bestimmt würde ich  Eltern, die dieses doch etwas konstruierte Schicksaal wirklich erlebt haben sollten, niemals dieses Stück empfehlen – Es zeigt keinen Weg auf, nicht eine Sekunde Leichtigkeit, Befreiung oder ein Funken Humor – es ist die volle Keule Hoffnungslosigkeit.

Ich lasse den schwarzen See und meine erste Begegnung mit Dea Loher jetzt erst mal sacken und gehe essen, um auch noch etwas anderes zu verdauen. Und aus Prinzip werde ich heute Abend nur schöne Geschichten erzählen, meinen Fokus nicht aufs Leid legen. Oder aus Trotz und nicht aus Prinzip? „Hier, es geht auch anders!“ – Vielleicht ist dieser Trotz ja auch die Absicht des Stücks.

#PB

Wie ich auf dieses Stück gekommen bin ?

P.S.

Dea Lohers Geburtsname ist übrigens Andrea-Beate.
Hmm. Dea  auf Latein – Göttin. Hmm. Sie hat  geklagt, es steht jetzt in ihrem Pass. Nur deskriptiv!

Informationen:

Am schwarzen See von Dea Loher im Deutschen Theater
Regie: Andreas Kriegenburg, Bühne: Harald Thor, Kostüme: Katharina Kownatzki, Dramaturgie: Meike Schmitz.
Mit: Katharina Marie Schubert, Jörg Pose, Natali Seelig, Bernd Mross.
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s