Film/Gastauftritt/Paula und Sarah

Jennifer Ulrich’s Festival Tagebuch

YFFF Festival 2012

Tag 1 – 01.11.12

„Ihr SWISS Airline Flug nach Zürich ist nun zum Einsteigen bereit“ sagt die nette Dame vom Flughafenpersonal und auf geht’s in die Schweiz zum YFFF Festival.

Das YFFF Festival ist ein Fantastic Film Festival in Oftringen in der deutschen Schweiz, das sich zum Ziel gesetzt hat junge schweizer Nachwuchstalente zu fördern und ihnen eine Plattform zu bieten ihre Filme zu zeigen und zu diskutieren. Anfang Juli diesen Jahres war ich bereits eines der Jurymitglieder des NIFFF Festivals in Neuchâtel und lernte Martin Iseli, einen der Mitbegründer des YFFF Festivals, bei einem Interview kennen und sagte sofort zu, als er mich fragte, ob ich nicht auch beim YFFF in der Jury sitzen wollte. Den Nachwuchs zu fördern finde ich immer eine tolle Sache und es ist eine gute Möglichkeit mal einen Einblick zu bekommen was junge Filmemacher in der Schweiz so bewegt.

Nun bin ich also hier. Martin holt mich vom Flughafen in Zürich ab und wir fahren gemeinsam nach Olten. Auf der Fahrt erzählt er mir einiges über die Geschichte der Stadt und was wir in den nächsten 4 Tagen so vorhaben. Nach einem kleinen Mittagessen treffe ich 4 meiner anderen Jurykollegen im Café des Astoria Hotels. Max Hubacher (Berlinale Shooting Star der Schweiz 2012 und bekannt geworden durch seine großartige Schauspielleistung im Film „Verdingbub“), George Wyrsch (Pressekoordinator des NIFFF Festivals und Filmkritiker), Martin Zwimpfer und Stephan Kundert (beide Lehrer zweier Kantonsschulen im Umkreis, die ihren Schülern das Filmemachen näher bringen).

Zusammen fahren wir ins Youcinema5, in dem die nächsten Tage alle Filme gezeigt werden, die im Festivalprogramm aufgenommen wurden. Der Abend steht im Zeichen von James Bond. Es gibt eine Vorpremiere des neuen Bondfilms „Skyfall“ als Auftakt des YFFF Festivals. Es gibt Bier, Champagner und Häppchen im Foyer. Bondgirls servieren Drinks und überall stehen Eisblöcke in denen Bierflaschen eingefroren sind.

Dann kommt ein Kinomitarbeiter mit dem Motorrad aus dem neuen Bondfilm in den Kinosaal gefahren und wir, die Jury, werden den Zuschauern vorgestellt. Ein herzlicher Applaus des Publikums empfängt uns und die Aufregung ist mir wohl ins Gesicht geschrieben, auch wenn ich ja nur dastehen und lächeln muss, aber das Herz schlägt immer ein bisschen schneller, wenn soviele Augen auf dich gerichtet sind.

Da ich „Skyfall“vor 2 Tagen bereits auf der Berlinpremiere sehen durfte schleiche ich mich vor Filmbeginn schnell raus und schaue mir im Kino nebenan „Killing them Softly“ mit Brad Pitt an. Ganz überzeugt gehe ich jedoch nicht aus dem Saal. Der Film versucht sehr politisch und gesellschaftskritisch zu sein, gerade jetzt zur Zeit der US Wahlen ein beliebtes Thema, aber leider ist die Art und Weise das zu verpacken für meinen Geschmack nicht gut gewählt. Den größten Teil des Filmes erschießen und überfallen sich Leute gegenseitig, visuell fast schon eine Liebeserklärung an den Auftragsmord in manchen Momenten. Die eigentliche Grundaussage des Filmes kriegt man dann in den letzten 2 Minuten sehr offensiv und eindeutig präsentiert, wenn man es nicht vorher verstanden hat. In meinen Augen ein bisschen zu simpel gestrickt für einen Gangsterfilm, der unbedingt politisch sein will. Trotz allem vermittelt er eine gewisse Stimmung, die Bilder sind toll, die Musik großartig und bedacht gewählt und eingesetzt. Brad Pitt sieht mal wieder fantastisch aus und James Gandolfini schauspielerisch ,wie so oft, eine Augenweide.

Nach dem Film gebe ich noch ein kurzes Radiointerview und lasse den Abend mit meinen Jurykollegen noch auf einen Wein in der Bar „Sisième“ ausklingen. Beim besten Barkeeper der Stadt, Alex! Vielen Dank Alex, du hast uns die Abende versüßt mit deiner Gastfreundlichkeit!

Tag 2 – 02.11.12

Der Tag beginnt gemütlich. Eigentlich wollte ich die Stadt zu Fuß erkunden, doch plötzlich ruft Martin an und sagt Max und ich müssen schnell nach Aarau kommen um ein Interview beim Radiosender Argovia zu geben. Ich bin fertig zum Gehen, aber ich hab die Rechnung ohne Max gemacht. Nach etlichen Anrufen auf Handy und Hotelzimmer und wildem Klopfen an der Tür macht mir ein verschlafener Max in Unterhose und T-Shirt die Tür auf. Oh man, jetzt fühl ich mich schlecht und er hat allen Grund mich in dem Moment zu hassen, aber ich schiebe alles ganz dezent auf Martin und warte beschämt in der Lobby bis Max sich geduscht und angezogen hat. Am Bahnhof dann die nächste Panne. Meine EC-Karte wird vom Fahrkartenautomaten gefressen. Na toll, und jetzt? In 7 Minuten fährt die Bahn. Ich drücke wie eine Verrückte alle Knöpfe und beschimpfe den Automaten in verschiedensten Sprachen während Max einen Bahnangestellten heranholt, der etwas in Schweizerdeutsch vor sich herbrummelt, von dem ich natürlich wieder nur die Hälfte verstehe. Er befreit meine EC Karte und wir springen in letzter Sekunde auf den Zug nach Aarau. Dort werden wir von Martin abgeholt und zum Radiosender Argovia gebracht und herzlich von Moderator Sirio Flückiger empfangen. An den Wänden verschiedenste Autogramme von Schweizer Künstlern. Ja, DJ Bobo war auch dabei. Am eindrucksvollsten fand ich jedoch die CD Wand. Eine ganze Wand über 2 Etagen voll mit Musik CDs gepflastert. Wow!

Nach dem Radiobesuch schmökern wir zu dritt in einem Comicladen und ich gestehe Martin meine Liebe zu dem Film „Das Labyrinth“, mein Lieblingsfilm aus Kindheitstagen. Er ist überrascht und ich ebenso entsetzt, dass er den Film nicht kennt. Darauf gehen wir erstmal Mittag essen. Am Nachmittag spaziere ich allein ein bisschen durch Olten und schau mir die Altstadt an. Ein süßer kleiner Fleck ist Olten mit alten Gebäuden und Kirchen und sehr gutem Essen.

Am Abend hab ich mir vorgenommen 3 Filme zu schauen, die im Festivalprogramm außer Konkurrenz laufen. Als erstes sehe ich „The Impossible“. Der erste Film über den Tsunami in Thailand 2004. Eine Schicksalsgeschichte einer Familie, die auf wahren Begebenheiten basiert. In den Hauptrollen Naomi Watts und Ewan McGregor. Dieser Film hat mich emotional wirklich tief berührt. Man fiebert den gesamten Film mit dieser Familie, die durch den Tsunami auseinander gerissen wird und spürt jeden Schmerz und die Verzweiflung fast am eigenen Leib. Alle Schauspieler in diesem Film sind herausragend, allen voran Naomi Watts und vor allem Tom Holland, der einen ihrer kleinen Söhne spielt. Er ist die Neuentdeckung des Jahres für mich. Ein absolut sehenswerter Film mit imposanten und nahezu schmerzhaft realistischen Aufnahmen des Unglücks von 2004. Auch ein deutsches Gesicht ist in dem Film zu finden. Sönke Möhring spielt einen deutschen Vater, der an der Seite von Ewan McGregor verzweifelt nach seiner Familie sucht.

Nach dem Film ist wenig Zeit das Gesehene sacken zu lassen. Es geht direkt weiter mit dem Film „Inbred“. Filmproduzent Yazid Benfeghoul ist extra aus Deutschland angereist um seinen Film vorzustellen und danach Rede und Antwort zu stehen. Yazid und ich kennen uns auch bereits vom NIFFF Festival im Sommer in Neuchâtel. Ein lustiger Horrorfilm mit etlichen Gore Effekten, Anlehnungen an andere Genrefilme und einigen guten neuen Ideen. Nicht ganz die Art von Horrorfilmen, die ich bevorzuge, aber trotzdem gute Unterhaltung und für Genreliebhaber sicher ein riesen Spaß.

Als letztes für heute steht „Looper“ auf dem Plan mit Joseph Gordon Levitt, Bruce Willis und Emily Blunt. Eine wahnsinnig gute Idee verpackt in tolle Bilder und gespickt mit einem Haufen ausgesprochen guter Effekte. Ich liebe Filme a la „Inception“, bei denen man zum Nachdenken animiert wird. Filme, die auch im Nachhinein noch Diskussionen auslösen und die den Kopf fordern. „Looper“ ist auf jeden Fall einer davon und hat mich absolut mit auf seine futuristische Reise mitgenommen und überzeugt. Beeindruckend für mich war auch wie sie Joseph Gordon Levitts Aussehen verändert haben, damit er Bruce Willis ähnlicher sieht. Abgesehen von Kontaktlinsen und Augenbrauen haben sie seine Nasenspitze offensichtlich Frame für Frame wegretuschiert. Unglaublich. Man kann außerdem gut sehen wie Levitt seinen Spielpartner im Voraus studiert hat und sich seine Mimik und Gestik angeeignet hat für diesen Film. Tolle Leistung! Und nun ein Absacker bei Barmann Alex im Sisième und ab ins Bett.

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