Literatur/Paula und Sarah/Uncategorized

Ausbildungswahnsinn meets Vorurteile

„Und was machst du?“ Ahhh – ich bin kein Fan dieser Frage. Also gut: „Ich bin Schauspielerin“„Oh“ etwas ungläubig „Und beim Theater oder beim Film?“„Beim Film.“ „Ach, und hast du da auch Text?“ „ Ja.“ „Also hast du das richtig studiert?“ „Nein, aber ich drehe seit dem ich ein Kind bin.“ Es folgen lange Erläuterungen, warum ich auf keiner Schauspielschule war.

Jedes mal wenn das Thema Schauspielschule auf den Tisch kommt, werde ich etwas nervös, beginne mich zu rechtfertigen – Abends im Bett ärgere ich mich über meine hilflosen Erklärungen. Warum mache ich das eigentlich? In einer nächtlichen Diskussion mit ein paar Freunden, kamen wir auf Ausbildungsvorurteile und ich klagte im Rausch des Weines mein Leid. Woraufhin ein Freund von mir schallend lachte. Er studiert „kreatives Schreiben“ in Hildesheim und  hasst diese Frage ebenfalls. Allerdings ist es bei ihm genau andersrum: Er wird immer mit großen Augen und leicht gerümpfter Nase gefragt „ Kann man schreiben denn lernen?“

Schauspieler gehen auf eine Schauspielschule, Künstler haben Mentoren oder studieren Kunst, Tänzer fallen auch nicht einfach vom Himmel – aber von Autoren wird erwartet, dass Sie als Genie geboren werden. Es gibt vier Schulen im deutschsprachigen Raum, die eine Ausbildungsmöglichkeit zum Autoren anbieten, aber sie sind tatsächlich eine Erfindung des 20.Jahrhunderts. Was haben die Autoren vorher gemacht? Jura, Germanistik oder was-weiß-ich-was studiert und sich freundschaftlich ausgetauscht oder einfach los geschrieben? Und wäre Goethe wohl gern nach Leipzig gegangen und hätte „literarisches Schreiben“ studiert? Oder Schiller an die Udk für „szenisches Schreiben“?

Aber andersrum kann man auch fragen: Wäre Dea Lohe, so groß geworden, wenn sie nicht an der Udk studiert hätte? Und wäre Marius von Mayenburg Hausautor der Schaubühne, wenn er nicht studiert hätte? Man weiß es nicht. Aber die Auszeichnungen der jungen Dramatiker sprechen Bände und wenn die Autorenschule für den Literaturlaien als „fragwürdig“ gilt, fungiert sie für Verlage als eine Art Gütesiegel.

Wahrscheinlich kann man schreiben nicht lernen, aber wenn man es kann, dann ist es an so einer Schule möglich noch sehr viel zu verfeinern und sich auszuprobieren.Und so hat jede Branche ihr Vorurteil und ich ärgere mich weiter abends im Bett. Aber immerhin, ich liege nicht allein wach – Jedenfalls nicht im übertragenen Sinn.

3 thoughts on “Ausbildungswahnsinn meets Vorurteile

  1. Kunst sollte aus Emotionen geboren werden, nicht aus technischen Mitteln, die man an einer Schule erlernt.
    Wenn ich einen Song auf meiner Gitarre spiele, habe ich den weder von Noten abgelesen, Akkorde im Internet gesucht, noch je eine Musikschule besucht. Nichts davon wuerde mich naeher zur Musik bringen, nein, wohl mehr davon entfremden.

    Das ein Zettel mit deinem Namen und einem Stempel einer Universitaet darauf ein Qualitaetssiegel fuer Firmen ist, halte ich fuer ein Armutszeugnis der heutigen Zeit. Den Fakt ist, es gibt schlicht und einfach nicht genuegend Universitaeten/ Schulen fuer kuenstlerische „Berufe“. Das wuerde in der heutigen Zeit bedeuten, jeder Autor der nicht der 4 Kurse in ganz Deutschland entspringt, wird es schwerer haben, Menschen von seiner Qualitaet zu ueberzeugen, selbst wenn seine denen der Absolventen uebersteigen.

    Nun koennte man Argumentieren, dass Kuenstler aus dem 18. Jhd. und frueher meist (mehrere) Universitaeten/ hoehere Schulen besuchten und daher solch‘ ueberragende Leistungen erbracht haben. Aber so hat Van Gogh Theologie studiert, Goethe Rechtswissenschaft und Hermann Hesse eine Ausbildung zum Mechaniker gemacht.

    It’s all about passion.

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